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227. G. Bastert, H. Schmidt-Matthiesen, R. Leonhardi, R. T. Michel, D. Nord, R. Gerner, R. Sturm (Zentr. d. Frauenheilk. u. Geburtsh. u. Strahlenklinik d. Univ. Frankfurt a. M.): Testung der Sensibilitiit mensehlieher Tumoren (insbesondere

Mammacareinome) gegeniiber einer Strahlentherapie naeh Transplantation auf nu/nu-M/iuse* Der Kliniker ger~it bei der Therapieplanung progressiver oder rezidivierender Tumorerkrankungen h/iufig in einen Entscheidungskonflikt. Dies gilt im besonderen ffir das Mammakarzinom, da hier eine Reihe von Zusatztherapiemal3nahmen, sei es hormoneller, sei es chemotherapeutischer Art zur Auswahl stehen. Zwar ist die statistische Wahrscheinlichkeit des Therapieerfolges am grol3en Kollektiv bekannt, im Einzelfall aber bleibt die Vorhersage problematisch. Dies gilt auch ffir eine Prim/Jr- oder Rezidivbestrahlung, da die Ansprechbarkeit des Individualtumors auf keine der genannten Behandlungsmal3nahmen a priori bekannt ist. Da sich thymusaplastische nu/nu-M~iuse gut als Wirtsorganismen ffir menschliche Tumoren eignen, lag es nahe, dieses in vivo-Modell auch auf seine Brauchbarkeit hinsichtlich der Testung der Strahlensensibilit/it menschlicher Tumoren zu pr/ifen. Ffir unsere Untersuchungen w/ihlten wir die gleichen Tumoren, die auch auf ihre Empfindlichkeit gegen/iber Zytostatika getestet worden waren (siehe Vortrag 222). Bezfiglich der Transplantationstechnik der Tumoren siehe Vortrag 219 und 222. 7 - 1 0 Wochen nach der Transplantation wurden jeweils 14-18 Tiere nach statistischen Zufallszahlen zu Gruppen zusammengefal3t und jeweils einer der an beiden Flanken sitzenden Tumoren von 1-1,5 cm Durchmesser bestrahlt. Der Tumor der Gegenseite diente als Kontrolle. Die Bestrahlung erfolgte konventionell am Dermopan II (Siemens), wobei fiber 20 Tage je 200 rad bis zu einer Gesamtdosis von 4000 rad appliziert wurden. Der Fokus-Hautabstand betrug 30 cm. Bei Stufe 4 wurde mit 50 KV und 25 mA gearbeitet. Mit diesem Bestrahlungsplan versuchen wir die in vivo-Verh/iltnisse beim Patienten nachzuahmen. Uber 4 Wochen wurden die Tumoten beider Seiten im Abstand von 5 Tagen vermessen und aus der Ver/inderung der Tumorgr6f3en auf den Erfolg der Therapie geschlossen. Nach T/Stung der Tiere wurden die Tumore histologisch aufgearbeitet. Bei einem heterotransplantierten menschlichen Ovarialkarzinom ffihrte die Bestrahlung zu einer eindrucksvollen Tumorverkleinerung. Auch histologisch waren die bestrahlten Tumoren weitgehend devitalisiert. Der adeno-papill/ire Aufbau der Kontrolltumoren war nicht mehr nachweisbar. Das Mammakarzinom einer 3 lj/ihrigen Patientin reagierte ebenfalls deutlich auf die R6ntgenbestrahlung. Histologiseh konnte der Therapieerfolg ebenfalls nachgewiesen werden. Neben Nekrosen und Detritus sah man nur noch vereinzelt fibergrol3e und bizarre Zellkerne mit verklumpter Chromatinstruktur. Demgegenfiber reagierte das Mammakarzinom einer Patientin jenseits der Menopause nicht mit einer Tumorverkleinerung auf die Bestrahlung. Es trat lediglich eine Wachstumsverlangsamung gegenfiber den Kontrolltumoren ein. Parallel zu dem Wachstumsverhalten dieses Tumors zeigte sich histologisch nur eine relativ geringffigige Beeintr~ichtigung der Tumorzellen. Das Karzinom war fiberwiegend vital, lediglich die Gesamtzahl der Mitosen war im Vergleich zur Kontrolle geringer. Dagegen war das H/imangiosarkom einer 29j~ihrigen Patientin so * Die Arbeit wurde unterstfitzt aus Mitteln des Berta-Heilscher-Verm/ichtnissesund der LefarthStiftung

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strahlensensibel, dab der Versuch bereits nach einer Gesamtdosis von 3000 rad abgebrochen werden konnte. Histologiseh war der bestrahlte Tumor tiberwiegend nekrotisch bis auf einzelne monstrSse Zellen. Der freiwerdende Raum wurde dureh hyalinisierte Substanzen und Bindegewebe eingenommen. Wie kein anderes in vitro-Modell scheinen sieh thymusaplastische nu/nu-M~iuse gut zur pr/itherapeutischen Testung einer Strahlentherapie zu eignen. Neben den Wachstumskurven kfnnen auch histologische Ver/inderungen klare Aufschliisse darfiber geben, inwiefern menschliche Individualtumoren auf radiologische TherapiemaBnahmen ansprechen. Gerade bei der Frage einer Rezidivbestrahlung kSnnen Versuche dieser Art f/Jr den Kliniker eine Entscheidungshilfe darstellen. 228. H. Schmidt-Matthiesen, H. G. Bastert, R. T. Michel, D. Nord, R. Gerner, R. Sturm (Zentr. d. Frauenheilk. u. Geburtsh. d. Univ. Frankfurt a. M.): Priitherapeutisehe Testung mensehlieher Tumoren gegen Cytostatlka. In vitro-/in vivoKorrelation Bei 36 verschiedenartigen Malignomen wurde das nach der Methode Volm erhaltene in vitro-Testergebnis mit dem sp/iteren Effekt zytostatischer Mal3nahmen verglichen. 21 Tumoren waren in vitro resistent, 15 sensibel. Die/Jbereinstimmung mit der klinischen Reaktion betrug im Gesamtkollektiv 83%. Die Vorhersage ,,resistent" erwies sich in allen F/illen als riehtig, wenn man die Erfolgskriterien der ECG zugrundelegt und kurzfristige Remissionen von 5-10 Wochen Dauer oder station/ire Verl/iufe nicht als ,,Erfolg" wertet. Bei den in vitro als ,,sensibel" beschriebenen F/illen kam es (bei AussehluB zweier nieht mehr reagierender Terminalf/ille) bei 70% zu einer Remission. Bei den/ibrigen F/illen (,,Versager" laut ECG-Kriterien) lieB sieh entweder ein 6-9 Monate langer Stillstand des Leidens, ein Schwund carcinomat6s bedingten Aszites bei Konstanz anderer Befunde oder ein nur langsamer ProgreB registrieren. Die offensiehtliche Verbindlichkeit der Vorhersage ,,resistent" veranlaBt uns, zun/ichst allen anderen therapeutisehen M/Sglichkeiten den Vorzug zu geben, bevor wir als ultima ratio dann doch Zytostatika einsetzen. Bei der Aussage ,,zytostatika-sensibel" werden wir der Zytostatika-Therapie bei Fehlen von Steroidrezeptoren stets des Vorrang geben, w~ihrend wir die Therapie: wahl bei den sensiblen und zugleich Rezeptor-positiven F~illen nach der Erfolgsdringlichkeit, sonstigen Begleitumst/inden und der Proliferationsaktivit/it der Tumoten ausrichten. An mehreren F/illen, bei denen mehrfach Gewebsentnahmen und Testungen erfolgen konnten, lieB sich im Laufe von Monaten sowohl in vitro als aueh in vivo eine tibereinstimmende Resistenzentwicklung naehweisen. Die in vitro-Ergebnisse im Einzelfall sind keineswegs f/Jr aUe Metastasenlokalisationen einheitlieh. Zwischen Aszites:Tumorzellen und solidem Tumor bestehen h/iufig Unterschiede, die sich auch unter der Zytostatikatherapie im klinischen Verlauf widerspiegeln. In vitro-Sensibilit/it einer Probe bedeutet nicht Sensibilit~it s/imtlicher Manifestationsorte. Die Studie zeigt, dab die ~bereinstimmung zwischen in vitro-Ergebnis und in vivo-Verlauf grSBer ist, wenn die Beobachtungszeit nicht zu kurz, sondern wenigstens 4 Monate lang ist. Kontrollierte Studien sollten mindestens diese Dauer aufweisen.

nu mice (proceedings)].

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