Schnurr u. a.: Plasma-Aldosteron während Hämodialyse bei terminaler Niereninsuffizienz

Deutsche Medizinische Wochenschrift

Dtsch. med. Wschr. 101 (1976), 1120-1128 © Georg Thieme Verlag, Stuttgart

Verhalten des Plasma-Aldosterons während der Hämodialyse bei terminal niereninsuffizienten Patienten* E. Schnurr, H. Küppers, K. Wiesen

und B. Grabensee

I. Medizinische Klinik A der Universität Dusseldorf (Direktor: Prof. Dr. F. Gtosse-Brockhoff)

Bei 14 Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz, die gegen eine Kaliumkonzentration von 2 mmol/l dialysiert wurden, fiel die

Aldosteronkonzentration im Plasma während der Hämodialyse signifikant ab. Dagegen wurde bei zwei Patienten, die gegen eine Kaliumkonzentration von 4 mmol/l dialysiert wurden, ein deutlicher Anstieg des Plasma-Aldosterons während der Hämodialyse beobachtet. Diese Beobachtung weist auf die Bedeutung des Plasma-Kaliums für die Regulation der Aldosteronkonzentration im Plasma während der Hämodialyse hin und legt die Vermutung nahe, daß dem Renin-Angiotensin-System trotz der Natrium- und Flüssigkeitsverluste während der Hämodialyse keine wesentliche Bedeutung bei der Regulation des Aldosterons zukommt. Beim Gesunden dient die Aldosteronproduktion der Aufrechterhaltung einer adäquaten Natrium- und Kaliumkonzentration im Serum und, hiermit Verbunden, der Regulation des intravasalen und extrazellulären Flüssigkeitsbestandes. Bei Patienten mit terminaler Nie*

Mit Unterstützung des Landesamtes für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen

Plasma aldosterone during haemodialysis in patients with terminal renal failure In 14 patients with terminal renal failure who underwent dialysis with a Solution containing potassium in a concentration of 2 mmol/l, the aldosterone concentration in plasma decreased significantly during haemodialysis. On the other hand a clear increase of plasma aldosterone was obsérved during haemodialysis in two patients who were dialysed with a solution containing potassium in a concentration of 4 mmol/l. This observation demonstrates the importance of plasma potassium for the regulation of plasma aldosterone concentration during haemodialysis. It suggests that the renin-angiotensin system has no major role in the regulation of aldosterone despite sodium and fluid losses.

reninsuffizienz kommt es zu Bilanzstörungen des Elektrolyt- und Flüssigkeitshaushaltes und zu metabolischen Veränderungen (Urämie, Acidose), die die Regulation der Aldosteronsynthese unterschiedlich und oft entgegengesetzt beeinflussen. Die bei der terminalen Niereninsuffizienz fast immer anzutreffende Hyperkaliärnie ist als starker Stimulus der Aldosteronsynthese anzu-

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Schnurr u. a.: Plasma-Aldosteron während Hämodialyse bei terminaler Níereninsuffizienz

sehen, während die ebenfalls bei terminaler Niereninsuffizienz häufige Volumen- und Natriumvermehrung über das Renin-Angiotensin-System eine Verminderung der Hormonsynthese bewirken kann (S). Die Bedeutung dieser die Aldosteronsekretion entgegengesetzt beeinflussenden Veränderungen ist unklar. Da die Hämodialysebehandlung die Möglichkeit gibt, sowohl die Hyperkaliämie als auch die Flüssigkeits- und Natriumretention kurzfristig und eingreifend zu verändern, kann die gleichzeitige Bestimmung des PlasmaAldosterons Aufschluß über den Stellenwert der einzelnen Faktoren bei der Aldosteronregulation im Stadium der terminalen Niereninsuffizienz geben. Wir untersuchten zur Klärung dieser Fragen die Aldosteronkonzentration im Plasma bei terminal niereninsuffizienten Patienten während der Hämodialyse.

Patienten und Methoden

Bei vierzehn Dialysen wurde ein Dialysat mit einer Natriumkonzentration von 130 mmol/l und einer Kaliumkonzentration von 2 mmol/1 verwendet (Tabelle 1), bei zwei Dialysen war die Kaliumkonzentration auf 4 mmol/l heraufgesetzt (Tabelle 2). Die Dialyse. zeit betrug jeweils 8 Stunden, die Patienten wurden zwei- bis drei. mal wöchentlich dialysiert. Die Aldosteronbestimmung erfolgte zu Beginn und am Ende der Hämodialyse, die Hormonmenge wurde radioimmunologisch nach dünnschichtchromatographischer Reinigung bestimmt (modifiziert nach 22). Das Antiserum wurde uns vom National Institute of Health, Bethesda/USA, zur Verfügung gestellt. Die Natrium- und Kalium-Konzentrationen in den Erythrozyten wurden nach Bugyi und Mitarbeitern (8) bestimmt, sämtliche Natrium- und Kalium-Bestimmungen erfolgten flammenphotometrisch. Der Hämatokrït wurde mit einem Coulter-Counter/Modell S ge-

messen. Die Berechnungen erfolgten mit einer Olivetti P 101, beim Vergleich der Meßergebnisse vor und nach der Hämodialyse wurde der Srudent-t-Test für verbundene Stichproben angewendet. Normalwerte: Die mit den beschriebenen Methoden ermittelten Normalwerre bei gesunden Blutspendern liegen für die PlasmaAldosteronkonzentration bei 94,11 ± 70,18 ng/l, für das PlasmaNatrium bei 140,5 ± 2,95 mmol/1, für das Plasma-Kalium bei 3,68 ± 0,4 mmol/l, für das Natrium in den Erythrozyten bei 13,73 ± 6,33 mmol/l und für das Kalium in den Erythrozyten bei 91,82 ± 6,27

An 16 Tagen wurde bei 15 Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz, bei denen zum Zeitpunkt der Untersuchung zwischen 2 und 74 Monaten eine intermittierende Dauerdialysebehandlung durchgeführt wurde, die Aldosteronkonzentration im Plasma bestimmt. Ein Patient wurde zweimal (FaIl 2 und 11) an verschiedenen Tagen untersucht, es handelt sich um einen vor .5 Jahren bilateral nephrek-

Ergebnisse

tomierten Patienten. Die Dialysen wurden mit der künstlichen Niere von Travenol (RSP-Niere) oder mit dem Gerät von Drake-Willock (Modell N 4101) durchgeführt, als Dialysatoren wurden die Spulen UF II und SP 75 sowie die Gambro-Lundia-nova-Platte verwendet.

Die Veränderungen der Plasma-Aldosteronkonzentrationen, der Elektrolytkonzentrationen im Plasma und in den Erythrozyten sowie der Hämatokritwert sind in Tabelle 1 für die einzelnen Patienten aufgeführt, soweit

mmol/l.

Tab. 1. Plasma-Aldosteron, Na und K im Plasma und in den Erythrozyten vor und nach der Hämodialyse. Dialysat-K 2 mmol/l. n. s. nicht signifikant Aldosteron [ng/li

Fall

Plasma-Na [mniol/l]

vor

nach

vor

1

91,2

73,2

2

301,9

3

Plasma-K [mmol/I]

Erythrozyten-Na [mmol/l}

nach

vor

nach

vor

135

126

5,3

3,3

140,9

133

130

7,8

4,3

225,8

45,4

132.

127

4,7

4

311,7

60,5

139

133

S

62,5

57,9

138

130

6

255,4

130,1

139

7

178,6

76,9

144

Erythrozyten-K [mmol/lJ

Hämatokrit [VoL°/o}

nach

vor

nach

vor

nach

26,0

21,5

123,5

117,4

28,9

28,7

56,1

44,5

122,0

109,9

16,9

18,7

3,1

30,6

52,1

108,7

106,0

21,7

22,7

5,0

3,3

36,3

37,4

119,6

116,4

29,7

29,8

5,0

4,9

36,5

39,5

121,6

113,4

19,7

19,9

132

5,7

3,7

38,5

70,7

115,5

108,4

18,9

17,0

134

5,0

3,8

24,1

39,1

122,5

106,2

19,6

21,6 30,0

8

816,6

129,9

149

140

4,7

3,8

19,0

24,6

117,4

116,1

30,0

9

467,9

203,8

140

134

5,8

3,7

36,0

48,2

112,6

109,1

25,2

24,1

10

275,6

137,7

141

139

5,4

4,2

17,0

23,2

118,6

105,5

25,4

23,9

ii

107,9

72,0

136

134

5,8

4,1

2,7

61,0

106,8

151,1

21,0

20,2

12

339,6

63,3

133

132

4,6

2,4

37,2

36,6

104,2

110,5

24,1

25,9

13

31,5

10,0

136

123

3,9

3,1

9,5

69,6

95,1

97,9

16,2

16,0

14

962,2

428,5

133

128

4,5

4,1

10,6

18,1

96,6

91,9

24,6

25,7

316,3

116,4

137,7

131,6

5,2

3,7

27,2

41,9

113,2

107,8

23,0

23,2

272,2

102,9

4,8

4,7

0,9

0,6

14,4

17,1

9,5

7,3

4,6

4,5

s P

[Plasma aldosterone during haemodialysis in patients with terminal renal failure].

In 14 patients with terminal renal failure who underwent dialysis with a solution containing potassium in a concentration of 2 mmol/l, the aldosterone...
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